Wenn ich König von Deutschland wär

Rio Reiser hat in einem Lied besungen, was er alles täte, wäre er König von Deutschland. Sie kennen das Lied bestimmt. Es war u.a. deshalb so ein großer Erfolg, weil jeder schon mal diesen Traum gehabt hat.

Ich hatte diesen Traum schon als Kind. Tagträumen kann ich seit je her besser als nachts im Schlaf. Im Schlaf kommt bei mir immer nur ziemlich krudes Zeug bei raus. Da beißen sich selbst die hartgesottensten Traumdeuter die Zähne dran aus. Tagsüber ergeben meine Träume mehr Sinn. Der Wenn-ich-König-wäre-Traum ist von allen mein liebster und häufigster. Schauen wir mal in einen rein:

Als erstes würde ich nach meiner Inthronisierung die Staatsform neu aufbauen. In meiner speziellen Paule-Monarchie wäre ich zwar der allmächtige König, würde aber trotzdem vom Volk gewählte Politiker erst mal schalten und walten lassen. Nur, wenn diese es so gar nicht auf die Reihe bekämen, würde ich mir Zepter, Krone und Purpurmantel bringen lassen und dem Treiben Einhalt gebieten. Da ich nun allmächtig aber nicht allwissend wäre, würde ich mir einen hochkompetenten Beraterstab zur Seite stellen. Dieser Beraterstab bestünde ausnahmslos aus strickenden Omas mit einem Rucksack voll Lebenserfahrung und herzensguten Gesichtsausdrücken.

Lassen Sie uns ein Beispiel machen. Nehmen wir mal an, die Politiker hätten sich ausgedacht, eine europäische Gemeinschaftswährung einzuführen. Die alten Landeswährungen hätten ausgedient und wichen einer neuen Einheitswährung. Nennen wir diese einfach mal den ‚Euro‘. Ich weiß, das klingt jetzt alles etwas bei den Haaren herbeigezogen, aber lassen Sie uns das gewagte Gedankenexperiment weiter durchführen. Begründung der Politiker für die Einführung der neuen Gemeinschaftswährung wäre der, dass sie die Länder enger aneinander binden würde und somit letztlich dauerhaft Frieden unter den beteiligten Völkern schüfe. Das Gesetz wäre schnell mit güldener Feder auf teures Büttenpapier geschrieben und mir zur gefälligen Kenntnisnahme und Unterschrift ausgehändigt.
Nun würde ich aber nicht einfach meinen königlich-kaiserlichen Paule darunter setzen mein Siegel draufdrücken und fertig ist die Laube. Weit gefehlt! Nein, ich würde in aller Ruhe in mich gehen und mich fragen, ob man es hier mit einer guten oder mit einer schlechten Idee zu tun habe. Wäre ich nun hin und hergerissen darob, beriefe ich umgehend den Strickoma-Beraterstab ein. Die Strickomas freuten sich über jede Beraterstabssitzung, da sie stets auf meinem prächtigen Schloss stattfände. Bei herrlichem Kaiserwetter säßen wir nun also auf meiner Seeterasse bei Kaffee und Torte und während meine Diener darauf achteten, dass keine Teller und Tassen leer blieben, gingen die Omas dem Sinn des Gesetzentwurfes nach. Die Omis plauschten hier und plauschten da, kramten in Ihren zahlreichen Erinnerungen und Erfahrungen und ließen mich nach einer Weile zustimmenden Zunickens wissen, wie weiter vorzugehen sei.

„Die Idee ist schlecht!“

„Oh, sieh an! Wie kamen Sie zu dem Schluss, werte Damen?“

„Wenn Euer Majestät eine Freundschaft zerstören wollt, so bringt Geld mit ins Spiel. Geld bringt Zwietracht und Zank. Wollen die Länder weiterhin befreundet sein, so lasst jedem sein eigenes Geld.“

Hätte ich eigentlich auch selbst draus kommen können, dächte ich bei mir. So würden wir bis in den späten Nachmittag hinein noch Torte mampfend auf den See schauen und die ein oder andere Socke stricken bis ich meinen Beraterstab, den Dank aller Bürger versichernd, von meinen Chauffeuren einzeln nach Hause bringen ließe. Den Gesetzentwurf würde ich danach den knisternden Flammen meines riesigen Kamins übergeben und dabei zufrieden einen teuren Cognac schlürfen.

Ja, das würde ich machen, wäre ich König von Deutschland.

 

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