Warum ich nicht will, dass der Papst mir folgt

Wie sich bereits herumgesprochen haben sollte, bin ich ein glühender Papstverehrer. Ich bin evangelisch – ich darf das. Man kann sich also meine Freude vorstellen, als ich hörte, dass Benedict XVI  jetzt auch bei Twitter ist.

papst

Dort heißt er @Pontifex. Nicht super originell, aber nun ja, man ist schließlich Papst. Da kann man sich nicht einfach ‘@BrückenBene_666’ oder ‘@Stail_VA_Traiter’ nennen oder so. Das Amt verlangt Würde. Gut, hyperaktiv ist Benedict auf Twitter nicht gerade. Null Tweets geben hiervon beredt Zeugnis. Aber 565.368 Follower! Da sage noch einer, Gott liebt den Mann nicht.

Immerhin folgt er 7 anderen Twitteren. Neidisch schaute ich gleich mal nach, wer die Privilegierten denn sind. Etwas enttäuscht stellte ich fest, dass der Papst sich ausschließlich selbst folgt. Der Papst in Deutsch folgt dem Papst in Spanisch, Portugiesisch, Polnisch, Italienisch, Französisch und Arabisch. Ein arabisches Papst-Twitterkonto. Nennen Sie mich altmodisch, aber manches überstrapaziert meine kleine Gedankenwelt.

Jetzt macht man sich natürlich Gedanken, warum der Papst das tut. Ist er tatsächlich so ein eitler Fatzke? Warum dann nicht gleich Papst Narziss XVI? Aber wer den Papst kennt, weiß, dieser ist so ziemlich der Letzte, der ernsthaft unter Eitler-Fatzke-Verdacht gestellt gehört. Warum also dann die scheinbar eitle Selbstbeschau? Ganz einfach: der Papst will seine Twitter-Schäfchen vor der bösen Welt beschützen. Mein erster Gedanke beim Papst folgen war:

“Wer weiß, vielleicht folgt er ja zurück? Fatz, wär das cool. Hey Leute, mir folgt der Papst!”

Dann aber dachte ich, wenn ich einer von acht Auserwählten bin, schauen die 565.360 nicht vom Papst verfolgten ziemlich neidisch aus der Wäsche. Und mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Wahrscheinlichkeit ist unter den 565.360 Nichtverfolgten ein bis zwanzig hoch militante Papsthasser dabei, die ab nun ihr einziges Lebensziel darin sehen, mir den Hahn abzudrehen. Ich wäre der Salman Rushdie von Twitterland. Der Salman Rushdie mit Mohamed-Karrikatur auf dem T-Shirt, umrahmt von einer Zielscheibe. Zitternd wollte ich dem Papst schon wieder entfolgen, da sah ich, dass er nur sich selbst siebenmal in Gefahr bringt. Das nenne ich Selbstlosigkeit. Mit seinen 7 (Sieben!) Selbstfolgungen schmeißt der Papst sich quasi in die heran fliegenden Kugeln auf seine geliebten Folger. Das nenne ich ganz großes Barmherzigkeit-Kino.

Ja, also deshalb bin und bleibe ich großer Papst-Fan und will trotzdem nicht, dass er mir folgt.

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