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Lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter – kotz!

Folgende Lebensklugheit hat ein mir weiter nicht bekannter Psychologe und Psychotherapeut seiner Internetseite vorangestellt.

 

„Sein Leben so erfüllt und befriedigend wie möglich zu leben, bedeutet, jeden Tag so zu leben, als wäre er der letzte. Die Wahrheit ist nämlich: Wir alle haben nur diesen einen Tag. Die Vergangenheit, das Gestern, ist für jeden von uns vorbei. Die Zukunft, das Morgen, ist für jeden von uns nur ein Versprechen. Alles, was wir haben, ist das Heute, dieser Augenblick.“

 

Mit Verlaub, ich habe weder Psychologie studiert noch bin ich sonst wie vom Fach, aber was für ein gequirlter Bullshit?

 

Ohne Marktforschung im Psychotherapiesegment betrieben zu haben lehne ich mich glaube ich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, jeder dritte Psychotherapeut meint, mit dieser Weltsicht den Schlüssel für gelingendes Lebensglück in Händen zu halten. Verzeihen Sie, werte Kollegen: damit sind Sie leider so was von schief gewickelt, da machen Sie sich gar keine Vorstellung von. Sie wollen wissen warum? Nun gut, machen Sie es sich bequem, ich erkläre Ihnen das mal schnell.

 

Drei Thesen enthält der oben stehende Lebensratschlag:

 

  1. Wir haben immer nur den Tag, der gerade ist – nutzen wir ihn, als wäre es der letzte.
  2. Vergangenheit ist vorbei und damit letztlich verloren für uns.
  3. Zukunft war noch nicht, also so wie das Vergangene nicht wirklich zu gebrauchen.

 

Alle Achtung, dreimal so was von daneben zu liegen zeugt schon von einem gerüttelt Maß an Weltfremdheit, liebe Kollegen der Seelenkunst!

 

Stellen wir uns die einfache Frage: „Was würde ich an dem Tag tun, von dem ich wüsste, es ist mein letzter?“ Vor finalem Übermut würde ich wahrscheinlich über parkende Autos rennen – das wollte ich schon immer mal tun. Ich würde es den Leuten mal so richtig heimzahlen, die mir Böses angetan haben in meinem Leben. Meinem alten Englischlehrer würde ich einen Haufen auf den Fußabstreifer machen, dem armen Ehemann der eingebildeten Nachbarstussi würde ich verraten, dass sie es mit dem Fitnesstrainer treibt und sollte ich einen richtig bösen, aber zu Unrecht frei herumlaufenden Mörder kennen, würde ich ihm kurz vor Mitternacht noch die Kehle durchschneiden. Ich denke, so oder so ähnlich würden viele handeln.

 

Nun stelle man sich vor, alle Menschen würden sich jeden Tag genauso verhalten, als wäre es ihr allerletzter Tag im Leben, also so wie ich es tun würde. Mein lieber Scholli, das wäre ein Durcheinander. Überall Mord- und Totschlag, kaputte Autos, heulende Ehemänner und auch sonst allerorten Sodom und Gomorrha.

 

Wäre es aber nicht schöner, alle Menschen würden jeden Tag so verbringen, wie der schönste Tag in ihrer Vergangenheit war? Womit wir bei These 2 wären. Glaubte man dieser, ginge das leider nicht, da die Vergangenheit ja schon verloren wäre für unser Jetzt. Ist sie natürlich nicht. Die Vergangenheit ist sogar das wichtigste, was wir Menschen haben – unsere Erinnerungen. Stellen Sie sich vor, jemand böte Ihnen 100.000 Euro dafür, dass er Ihre kompletten Kindheitserinnerungen löschen dürfte. Wenn Ihnen die Vergangenheit so egal wäre, wie oben angenommen, würden Sie ohne mit der Wimper zu zucken einschlagen. Die allerwenigsten unter Ihnen würden aber so handeln. Sind die Erinnerungen nämlich futsch, ist es so, als hätte man in der Zeit, in der die Erinnerungen entstanden, gar nicht gelebt. Im Extrem heißt das, leben wir immer nur den Moment, haben wir eigentlich vorher nie gelebt. Wer will denn so was?

 

Es verhält sich im Grunde genau umgekehrt. Wir sollten den Tag so erfüllt leben wie möglich, nicht nur damit wir ein Jetzt-Glücksgefühl haben – das auch – aber genauso wichtig ist, dass wir dadurch unseren Erinnerungsspeicher anfüllen, den wir in der Zukunft als Vorrat schöner Erinnerungen nutzen können. Womit die dritte These von der Vernachlässigbarkeit der Zukunft widerlegt wäre. „Lebe den Tag so, als kämen noch unendlich viele!“ Das träfe es schon besser.

 

Also liebe ‚Der kleine Prinz‘ lesende Psychotherapeuten: raten Sie den Menschen bitte nicht so unausgegorene Lebensplattheiten sondern ermutigen Sie sie, das Leben als Ganzes als Geschenk anzunehmen und sich dementsprechend heiter gestimmt durch den Tag zu schwingen. Fangen Sie an – nutzen Sie den Tag!

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Meine alte Grundschule und die Feuerzangenbowle

Ich bin Jahrgang 66. Mein Stadtteil auch – zumindest so in etwa. Stadtteile werden nicht auf einen Schlag fertig wie Menschen bei ihrer Geburt, aber so ungefähr kommt es hin.

2012-10-06 ich


Auf jeden Fall sind mein Stadtteil und ich gemeinsam groß geworden. 1968 zog ich mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern in die niegelnagelneue 4-Zimmer-Sozialwohnung im 1. Obergeschoss. Das machten mit uns unzählige andere junge Familien. Familien mit noch unzähligeren Kindern. Hier boomte der Babyboom besonders fruchtbar. Die Bäume unseres Viertels waren ebenfalls noch im Kindesalter. Sie mühten sich redlich, im Sommer etwas Schatten zu spenden. Ich bin in einem Stadtteil aus Kindern groß geworden. Man sagt, eine glückliche Kindheit reicht für ein ganzes Leben. Meine war glücklich.

Mit den Jahren wuchsen Bäume, Häuserzeilen und ich zu letztendlicher Größe heran. Heute wohnen in meinem alten Stadtteil über 12.000 Menschen und Schatten hat’s genug im Sommer. Nur ich wohne schon seit Jahren woanders. Als ich letztens zu Besuch war in meinem alten Stadtteil spazierte ich an meiner alten Grundschule vorbei, bzw. tat ich das nicht. Meine Grundschule war nämlich weg. Meine 70er-Jahre-Waschbetonschule war ersetzt worden durch eine hoch energieeffiziente, vollwärmegedämmte und wahrscheinlich pädagogisch auf neuestem Stand stehende Grundschule. Bestimmt ein Segen für die hier lernenden Kinder und deren Lehrer – für mich dennoch Anlass zur Trauer.

Ich fordere hiermit verschärften Denkmalschutz für Schulgebäude! Alle möglichen Sachen genießen bei uns besonderen Schutz vor Beseitigung. Historische Gebäude, alte Bilder, Statuen und obendrein unzählige Arten von Käfern und anderem Gekreuch. Nur Schulen darf man wegmachen wie einem gerade der Sinn danach steht. Ich prangere das an! Sicher wurden vor der Abrissentscheidung meiner Schule (beschönigend “Rückbau” genannt) Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen noch und nöcher angestellt. Sanierungskosten wurden anhand von Richtwerttabellen mit fiktiven Neubaukosten verglichen und letztlich für zu hoch befunden. Also: weg mit dem alten Zeugs – das rechnet sich nicht mehr.Der Ort des Großteils meiner Kindheitserlebnisse war “wirtschaftlich nicht mehr darstellbar”.

Sie kennen das: man kommt in ein Gebäude, in dem man lange nicht mehr war und dann ist da der Geruch, den man schon so lange vergessen hatte. Die kleinen Details, die einem längst entfallen waren. Und plötzlich ist alles wieder da. Der Name des Mädchens, dem man im Werkraum einen Kuss gegeben hatte, das doofe Gefühl vor der einen entscheidenden Mathearbeit und das Gesicht der Reli-Lehrerin, in die man irgendwie immer noch verliebt ist.

Neurologen wissen, dass lang Vergessenes durch Riechen wieder aus den Tiefen des Gehirns an die Oberfläche geholt werden kann. Das liegt irgendwie daran, dass das Geruchszentrum direkter Nachbar vom Erinnerungszentrum ist. Nase und Vergangenheit wohnen also praktisch Zaun an Zaun. Die Gerüche können aber nur gerochen werden, wenn das betreffende danach riechende Haus noch da ist. Mit dem Abriss meiner alten Schule haben die Baggerfahrer also nicht nur einen wirtschaftlich unrentables Schulgebäude weg gemacht sondern auch viele meiner Erinnerungen an glückliche oder auch weniger glückliche Schultage. Sie haben mir ein Stück meiner Kindheit gestohlen. Man liest doch immer, wie schlimm es ist, wenn wegen böser Eltern Kindern ihre “Kindheit gestohlen wird”. Ich spreche dem Juchtenkäfer nicht sein Existenzrecht ab – nichts läge mir ferner, aber im Gegenzug möchte ich das Recht auf meine Kindheit behalten. Bei meiner Grundschule ist es jetzt schon zu spät, aber wie ich las, soll es jetzt auch meinem alten Gymnasium an den Kragen gehen.

Wehe! Das wagt ihr euch nicht! Finger weg von meinem Gymnasium. Ihr tötet tausende der schönsten Schulerinnerungen nur wegen Geld. Schämt euch! Schaut euch “Die Feuerzangenbowle” an, dann wisst ihr, wie traurig es ist, keine Schulerinnerungen zu haben.

In diesem Sinne: “Oben bleiben!”
Ihr Paule

 

Warum ich nicht will, dass der Papst mir folgt

Wie sich bereits herumgesprochen haben sollte, bin ich ein glühender Papstverehrer. Ich bin evangelisch – ich darf das. Man kann sich also meine Freude vorstellen, als ich hörte, dass Benedict XVI  jetzt auch bei Twitter ist.

papst

Dort heißt er @Pontifex. Nicht super originell, aber nun ja, man ist schließlich Papst. Da kann man sich nicht einfach ‘@BrückenBene_666’ oder ‘@Stail_VA_Traiter’ nennen oder so. Das Amt verlangt Würde. Gut, hyperaktiv ist Benedict auf Twitter nicht gerade. Null Tweets geben hiervon beredt Zeugnis. Aber 565.368 Follower! Da sage noch einer, Gott liebt den Mann nicht.

Immerhin folgt er 7 anderen Twitteren. Neidisch schaute ich gleich mal nach, wer die Privilegierten denn sind. Etwas enttäuscht stellte ich fest, dass der Papst sich ausschließlich selbst folgt. Der Papst in Deutsch folgt dem Papst in Spanisch, Portugiesisch, Polnisch, Italienisch, Französisch und Arabisch. Ein arabisches Papst-Twitterkonto. Nennen Sie mich altmodisch, aber manches überstrapaziert meine kleine Gedankenwelt.

Jetzt macht man sich natürlich Gedanken, warum der Papst das tut. Ist er tatsächlich so ein eitler Fatzke? Warum dann nicht gleich Papst Narziss XVI? Aber wer den Papst kennt, weiß, dieser ist so ziemlich der Letzte, der ernsthaft unter Eitler-Fatzke-Verdacht gestellt gehört. Warum also dann die scheinbar eitle Selbstbeschau? Ganz einfach: der Papst will seine Twitter-Schäfchen vor der bösen Welt beschützen. Mein erster Gedanke beim Papst folgen war:

“Wer weiß, vielleicht folgt er ja zurück? Fatz, wär das cool. Hey Leute, mir folgt der Papst!”

Dann aber dachte ich, wenn ich einer von acht Auserwählten bin, schauen die 565.360 nicht vom Papst verfolgten ziemlich neidisch aus der Wäsche. Und mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Wahrscheinlichkeit ist unter den 565.360 Nichtverfolgten ein bis zwanzig hoch militante Papsthasser dabei, die ab nun ihr einziges Lebensziel darin sehen, mir den Hahn abzudrehen. Ich wäre der Salman Rushdie von Twitterland. Der Salman Rushdie mit Mohamed-Karrikatur auf dem T-Shirt, umrahmt von einer Zielscheibe. Zitternd wollte ich dem Papst schon wieder entfolgen, da sah ich, dass er nur sich selbst siebenmal in Gefahr bringt. Das nenne ich Selbstlosigkeit. Mit seinen 7 (Sieben!) Selbstfolgungen schmeißt der Papst sich quasi in die heran fliegenden Kugeln auf seine geliebten Folger. Das nenne ich ganz großes Barmherzigkeit-Kino.

Ja, also deshalb bin und bleibe ich großer Papst-Fan und will trotzdem nicht, dass er mir folgt.

Warum ich gerne katholisch wäre

Eins steht ja mal fest; evangelisch ist besser als katholisch.

BildChef der Katholiken 

 

Die Katholiken sind die Bösen. Die sind gegen Schwule, gegen Sex vor der Ehe, eigentlich gegen Sex generell, unterdrückten die Frauen, machen ihre Pfarrer zu Kinderschändern mit ihrem dusseligen Keuchheitsgehabe und sind auch sonst an Rückschrittlichkeit nicht zu unterbieten. Gehen Sie auf die Straße und fragen einen x-beliebigen Passanten nach dessen Meinung zur katholischen Kirche und Sie werden diese Antwort erhalten. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

 

Die Evangelischen sind das genaue Gegenteil der Katholischen. Evangelisch ist modern, aufgeschlossen und progressiv bis in den Ältestenrat hinein. So habe ich das seit meiner Jugend empfunden. Im Religionsunterricht ging es mehr um Sexualität, Freiheit und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, als in den eigentlich hierfür vorgesehenen Fächern. Veraltete Moralregeln vermisste niemand, ebenso wie Gott. Über Gott zu sprechen war dem Reli-Lehrer, ein bekennender 68er, sichtlich peinlich. Zum Glück nötigte der Lehrplan ihn auch nicht dazu. Logisch, dass ich Reli zum Abi-Prüfungsfach wählte. Über Nazis und Sex wusste ich schließlich Bescheid. Maximaler Gewinn mit minimalem Aufwand.

 

Auch geschichtlich gesehen sind die Evangelischen die Guten. Die Katholischen im späten Mittelalter (die hießen da natürlich noch nicht so, weil es ja nur eine Sorte Christen gab), die Katholischen hatten den christlichen Grundgedanken komplett auf den Kopf gestellt. Von wegen Barmherzigkeit, Feindesliebe und Freiheit eines Jeden. Die Kirche ließ die Gemeinde an diesen Aussagen nicht teilhaben. So gut wie niemand konnte damals lesen und wenn doch, dann konnte er kein Latein. Christus eigentliche Worte blieben unter Verschluss und der Gemeinde wurde mit Fege- und Höllenfeuer gedroht, damit sie nicht zu aufmüpfig wurde. Die strengen alttestamentarischen Regeln, von denen Jesus seine Nachfolger befreit sehen wollte, führte die Kirche mit ihrem strengen Katechismus wieder ein. Jesus hätte sich im Grab umgedreht, wäre er drin geblieben.

 

Martin Luther stank das gewaltig und er setzte dieser Entwicklung etwas entgegen: das Evangelium. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche, so dass jeder, der lesen konnte, sie verstand. Und der, der nicht lesen konnte, bekam sie im Gottesdienst auf Deutsch vorgelesen. Alle menschengemachten strengen Regeln konnten nun anhand der Schrift auf ihre Schlüssigkeit überprüft werden. Das Evangelium war wieder im Mittelpunkt und nicht die Kirchengesetze – evangelisch eben. Die Menschen gingen in die Kirche, nicht um von Gott überzeugt zu werden – an den glaubte eh jeder, der Stand nicht in Frage – sie gingen in die Kirche, um das Unglaubliche zu hören, dass man durch Friedlichkeit, durch Barmherzigkeit und Liebe weiter kommt als mit Eigennutz und Geld und somit letztlich in den Himmel. Schwer zu glauben war das, aber dafür gibt es ja die Kirche, um den Leuten beim Glauben zu helfen.

 

Seither sind 500 Jahre ins Land gestrichen. Eins hat sich jedoch nicht geändert. Die Kirche sollte immer noch dafür da sein, den Leuten beim Glauben zu helfen. Heute stellen sich die Glaubensfagen jedoch genau umgekehrt, als sie es zu Luthers Zeiten taten. Für uns steht es außer Frage, dass man gut zu seinen Mitmenschen sein soll. Den kantschen Imperativ haben wir alle mit der Muttermilch aufgesogen. „Was Du nicht willst, das Dir man tut, das füge auch keinem Andern zu.“ Wer zweifelt da schon dran, außer eventuell ein paar nimmersatte Hedgefondmanager? Was vor 500 Jahren der Erklärung benötigte, ist heute selbstverständlich. Umgekehrt verhält es sich mit dem Glauben an Gott, an einen Schöpfer, der das Geschöpfte auch noch liebt. Ein Schöpfer, der jedes „Geschöpf“ einzeln anfertigt und mit einer individuellen Seele versieht. Ein Schöpfer, mit dem man ohne Internet und Handy sprechen kann – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ein Gott, der das komplette, riesige Universum geschaffen hat, dieses am Laufen hält und gleichzeitig noch Zeit hat, jedem, der mit ihm spricht zuzuhören. Ein Gott, der alle Sprachen kennt, der alles weiß, der alles kann. Der Allmächtige eben. Und nicht nur das! Dieser Gott zeugte auf Erden nur durch seinen Geist einen Sohn, der uns durch seinen Tod am Kreuz erlösen wird. Dieser Sohn, Jesus, steigt nach seinem Tod auf in den Himmel, wo er sich neben seinen Vater setzen wird. Ganz kompliziert wird es dann, wenn man verstehen will, dass Vater, zeugender Geist und Sohn eins sind bzw. dreieinig.

 

Das ist heutzutage schon harter Tobak. Wenn man tatsächlich an diese unglaubliche Geschichte glauben will, bedarf es der Hilfe durch Profis. Und die Profis arbeiten nun mal in der Kirche. Ich sagen Ihnen wie es mir dabei geht: Wenn ich in eine Stimmung versetzt werden will, in dem ich diesen christlichen Glauben auch nur gefühlt annehmen kann, dann gehe ich nicht in einen modernen, zeitgeistlichen Gottesdienst, dann will ich keine mit verzerrten E-Gitarren begleitete Gospel-Amateurchöre von Gott preisen hören, dann will ich keine Pfarrerin in engen Lederhosen, die von SMSe an Jesus faselt – DANN WILL ICH VERDAMMT NOCHMAL EINEN GOTTESDIENST, WIE ER IMMER SCHON WAR!

 

Das können die Katholischen besser, Aber hallo! Sie haben sich nicht durch den windigen Zeitgeist verbiegen lassen. Sie haben gezeigt, was heute selten geworden ist: Standhaftigkeit. Nur durch diese Standhaftigkeit konnte das Band bis zurück zu Petrus und seinem Herrn erhalten bleiben. Was für eine großartige Story. Solche Storys brauche ich, wenn ich mich auf das Abenteuer des Glaubens einlassen will. Die Geschichte eines Schlappen tragenden Wanderpredigers, der einen Haufen schlecht gebildeter Jünger um sich schart, einige Wunder begeht, redet wie ein Hippie und 2000 Jahre nach seiner Hinrichtung ca. 2 Milliarden Menschen in seinem Namen getauft sind, das hat schon was. Diese Geschichte macht den Unterschied und die Kirche muss auch den Unterschied machen, will sie sie mir glauben machen, dass es sich hier um Wahrheit handelt. Die Arbeiter dieser Kirche sollen alles für diese Aufgabe „aufgeben“, Pfarrer verzichten auf Frau und Kinder, Mönche obendrein noch auf Besitz und Freiheit. Solchen Leuten kauf ich es ab, dass es ihnen wirklich ernst ist mit der Sache. Einer evangelischen Motorradkluft-Predigerin mit Handy in der Hand kaufe ich das nie und nimmer ab.

 

Die Kirche will, dass ich an einem schon vor 2000 Jahren schier unglaublichen Glauben festhalte und ich will das auch. Dazu braucht es aber mehr, als Durchschnitt. Dazu braucht es den Unterschied. Es braucht die Hingabe der Vermittler, die Mystik durch Heilige im Himmel und Weihrauch in der Nase. Es braucht die ungebrochene Tradition. Und deshalb braucht es die katholische Kirche. Deswegen wäre ich gerne katholisch. Aber, vielleicht war ich es ja schon immer?

Ich versteh da was nicht. Vielleicht können Sie mir helfen?

Von den vielen Fernsehsendern, die es gibt, sind mir die Dritten am liebsten. Das ist so, weil hier viele lehrreiche Wissenssendungen gezeigt werden. Außerhalb der Dritten Programme kennt man keine solche Sendungen, meines Wissens. Wahrscheinlich irgend so ne Patentsache.

Meine liebsten Wissenssendungen sind die mit Geschichtsthemen. Je älter die behandelte Epoche, desto lieber. In den Sendungen über Frühgeschichte taucht irgendwann immer ein Archäologe auf. Der hat neben Doktor- und Professorentitel ausnahmslos einen Schlapphut auf und steht mit seinem kleinen Schäufelchen in der Hand in einer Ausgrabungsgrube. In der erklärt anhand der verschiedenen Grubenwandschichten die jeweils dazugehörige geschichtliche Phase. Eins ist allen diesen Erdschichtprofilen gleich: je weiter unten, desto länger her.

Und genau hier kommt bei mir der Punkt, wo ich was nicht verstehe. Wie kommt das alte Zeug so weit nach unten in die Erde, frage ich mich. Einzige Erklärung scheint mir, dass mit der Zeit immer mehr Sand, Erde und Staub vom Wind auf die alten Siedlungsstellen geweht wurde, so dass sie über die Jahrhunderte hin mit einer dicken Erdschicht überdeckt wurden. Wenn das nun aber überall auf der Welt so ist, müsste die Erde ja um mehrere Meter dicker geworden sein. Und woher soll das ganze Material für die Volumenzunahme gekommen sein? Aus dem Weltall? Und wenn dem so wäre, warum verlässt dann die Erde nicht ihre Laufbahn oder wird langsamer, mit ihrem Übergewicht?

Kommt das Material für die Erdüberdeckung nicht aus dem All, sondern von der Erde selbst, müssten andererseits irgendwo Löcher oder Dellen entstanden sein. Wenn man nun in diesen Dellengegenden grübe, dürfte man aber auch rein gar nix an alten Krams finden. Und wo findet man diese ominösen Landschaftsdellen? Wer bestimmt, wo Erde dicker wird und wo sie abnimmt? So was will man doch wissen, als interessierter Drittengucker. Darüber könnte man mal eine Sendung zu machen? Meine Einschaltung wäre ihr sicher!

Manchmal hege ich jedoch den bösen Verdacht, selbst die superschlauen Wissenschaftler wissen darauf keine Antwort. Seltenen Tags versteigen ich mich sogar zu der Vermutung, dass sich noch keiner von denen diese Frage überhaupt je gestellt hat. Vor lauter Gebuddel und Rumgerestauriere haben die Wissenschaftler den Blick auf die grundlegenden Fragen verloren.

Falls also irgendjemand, der das hier liest, die Lösung für dieses Problem kennt, möge er sich bitte bei mir melden. Ich zahle auch den Kuchen und Kaffee.

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Wer knuffigeres kennt, werfe das erste Kätzchen

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